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Energiepolitik

Mit dem fossil-atomaren Energiesystem hat sich die Menschheit in eine Energiefalle manövriert. Der heutige Energiemix verstößt in mehrfacher Hinsicht gegen die Gebote der Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit: Durch die Verbrennung von Öl, Gas und Kohle werden nicht-erneuerbare Rohstoffe unwiederbringlich verbraucht, und sie werden schneller verknappen, als die meisten Menschen heute ahnen. Durch die bei der Verbrennung freiwerdenden Treibhausgase (wie Kohlendioxid und Methan) wird zudem eine Erwärmung des globalen Klimas bewirkt. Wenn wir nicht eine schnelle Trendumkehr vollziehen, wird es noch zu meiner eigenen Lebzeit wärmer auf diesem Planeten als je zuvor in der Menschheitsgeschichte - mit dramatischen Folgen wie Überschwemmungen, Dürren und Stürmen. Das Pentagon warnt bereits vor Umwelt-Kriegen und Flüchtlingswellen. Die Atomkraft ist kein Ausweg: Sie hinterlässt radioaktiven Müll, der noch für eine Million Jahre tödlich für menschliches Leben ist, und birgt das Risiko einer Kernschmelze, die Leid für Millionen Menschen und Gefahr über Jahrtausende nach sich ziehen würde. Das fossil-atomare Energiesystem ist somit die größte Hypothek für kommende Generationen. Im Interesse meiner Generation und unserer Kinder und Enkel führt kein Weg daran vorbei, eine Solare Revolution zu wagen: den kompletten Systemwechsel hin zu einer Vollversorgung aus knapp 100% Erneuerbaren Energien (Sonne, Wind, Wasser, Biomasse, Geothermie, Meeres- und Wellenenergie). Dazu brauchen wir eine Ökologische Steuerreform, die Fortführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, ein Biogas-Einspeisegesetz, eine Abschaffung der Subventionen für fossil-atomare Energien, eine Forschungsoffensive für Erneuerbare Energien, einen Fonds zur Förderung von Wärmedämmung und Energieeffizienz sowie internationale Anstrengungen für erneuerbare Energie. Eine Vollversorgung aus erneuerbaren Energiequellen wird schwierig zu machen sein - aber die Fortsetzung des fossil-atomaren Energiesystems wird bald unmöglich sein.

 

Generationengerechtigkeit

Vor dem Hintergrund wachsender Möglichkeiten des Menschen, die Zukunft zu beeinflussen, erfährt die Wahrung der Generationengerechtigkeit – also zu gewährleisten, dass die Chancen zukünftiger Generationen auf Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse mindestens so groß sind wie die der heutigen Generation – zunehmende Notwendigkeit, da die Rechte und Interessen nachrückender Generationen in steigendem Ausmaß von heute getroffenen Entscheidungen tangiert werden. Nicht nur die sich verschärfende ökologische Krise, auch die finanz- und sozialpolitischen Bedingungen, bürden künftigen Generationen erdrückende Lasten auf: Ein wachsender Anteil des Staatshaushaltes muss aufgebracht werden, um die Zinsbelastungen der Staatsverschuldung zu bewältigen, während gleichzeitig die Zukunftsinvestitionen reduziert werden. Der im Umlageverfahren organisierte Generationenvertrag in der Rentenversicherung befindet sich in einem Prozess der Demontage. Das Bildungssystem zeigt sich nicht in der Lage, die junge Generation mit den notwendigen Kompetenzen und Fähigkeiten auszustatten. Die soziale Benachteiligung von Familien hat eine derart massive Kinderarmut erzeugt, dass inzwischen das Bundesverfassungsgericht mehrfach intervenieren musste, um den grundgesetzlichen Schutz der Familie zu wahren. Generationengerechtigkeit heißt nicht: blinde Rentenkürzungen, keine Hüftgelenke ab 85, Abriss des Sozialstaats, Krieg zwischen Alt und Jung. Generationengerechtigkeit heißt: Sicherung des Generationenvertrags bei der Rentenversicherung, Solidarität und Dialog der Generationen, Sparen mit Verstand und Augenmaß, kluge Einnahmen- und Konjunkturpolitik. Alt und Jung müssen gemeinsam für Generationengerechtigkeit kämpfen  - und dürfen nicht auf die Kampfsprüche der selbsternannten Generationen-Krieger hereinfallen.
Aktuell verfasse ich dazu derzeit ein Buch mit dem Titel "Der Aufstand der Jungen - Wie wir den Krieg der Generationen vermeiden können", das im Frühjahr 2009 im Beck-Verlag veröffentlicht wird.

 

Wahlrecht ohne Altersgrenze

Die heutige Politik verdient kaum das begehrte Prädikat "generationengerecht". Die Gegenwart lebt auf Kosten der Zukunft. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach einem Regulativ, das die Wahrung von Generationengerechtigkeit in einer Demokratie fördern kann. Eine der diskutierten Möglichkeiten, die sich zunehmender Aufmerksamkeit erfreut, besteht in der Schaffung eines Wahlrechts ohne Altersgrenze. Mit der Erweiterung der Wahlbevölkerung um die ca. 13,8 Millionen Bundesbürger, die heute aufgrund ihres jungen Alters vom Wahlrecht ausgeschlossen sind, würde eine Stärkung der politischen und gesellschaftlichen Artikulations- und Partizipationschancen der jungen Generation und damit eine Stärkung der Generationengerechtigkeit einhergehen. Zugleich wäre der undemokratische Zustand, dass fast ein Fünftel der Bevölkerung von der politischen Willensbildung ausgeschlossen ist, beseitigt. Wenn aber eine Partizipationskultur, in der die Beteiligung junger Menschen selbstverständlich ist, erst einmal verwirklicht ist, dann wird auch die stetig weitere Senkung des Wahlalters, schließlich bis zum Wahlalter 0, sich nicht mehr aufhalten lassen. Das Wahlrecht ohne Altersgrenze ist ein überfälliger Schritt in der Entwicklung unserer Demokratie, in der das Prinzip „one person – one vote“ noch nicht umgesetzt ist und eine von drei Generationen keinen Einfluss nehmen kann. Kinder nicht an die Macht – aber reale Mitspracherechte. Denn nur wer wählt, der zählt.

 

Zukunftsfähige Demokratie

Die Demokratie steht vor einer ungewöhnlichen Bewährungsprobe. Durch den technischen Fortschritt reichen heutige Entscheidungen, z.B. Eingriffe in die Umwelt, immer weiter in die Zukunft hinein und tangieren die Rechte und Interessen nachrückender Generationen. Gleichzeitig nimmt der Anteil älterer Menschen im Zuge des demographischen Wandels stark zu, was zu einer Verdrängung von der jüngeren Generation wichtigen Anliegen von der politischen Agenda führen kann. Diese zu beobachtende Gegenwartsorientierung ist in demokratieinhärenten strukturellen Ursachen zu suchen: Denn die relativ kurzen Wahlperioden verführen dazu, eine Politik zu betreiben, die mehr die Interessen der eigenen Klientel und der Wahlbevölkerung im Blick hat denn die Rechte künftiger Generationen, um das eigene Mandat zu erhalten. Die Demokratie gerät unter diese Funktionslogik des Kurzfristdenkens. Daher muss ein Regulativ gefunden werden, das die Wahrung von Generationengerechtigkeit belohnt, das also die Demokratie zukunftsfähig macht: Das kann eine Verschärfung der Umwelt-Schutzklauseln und der finanzpolitischen Vorgaben im Grundgesetz sein (Art. 20a, Art. 115), die Einrichtung eines "Zukunftsrats" neben Bundestag und Bundesrat als Vertretung künftiger Generationen, oder auch ein Wahlrecht ohne Altersgrenze, das auch Kindern und Jugendlichen eine Stimme gibt.

 

Demographischer Wandel

Die deutsche Bevölkerung wird älter und kleiner. Der Grund liegt vor allem in der anhaltenden Geburtenschwäche: Seit Mitte der 1960er Jahre halbierte sich die Geburtenrate von etwa 2,5 Kindern pro Frau auf nur noch knapp 1,4 Kinder heute – zu wenig, um die Bevölkerungsgröße stabil zu halten: Der Generationenersatz wäre erst mit 2,1 Kindern pro Frau sicher. Hätten wir keine Zuwanderung, würde die Bevölkerung in Deutschland schon seit dreißig Jahren schrumpfen. Im demografischen Wandel stecken auch Vorteile: Aus ökologischer Sicht wären niedrige Geburtenraten nach wie vor geboten, da bei kleinerer Weltbevölkerung der Umweltverbrauch leichter auf ein verträgliches Maß reduziert werden könnte. In den nächsten Jahren können in Deutschland rund 100 Mrd. Euro allein deswegen gespart werden, weil mit den Schülerzahlen auch die Bildungsausgaben sinken. Also: Schrumpfen ist nicht nur Schicksal, sondern auch Chance. Entwarnung kann dennoch nicht gegeben werden. Denn auch wenn der demografische Wandel bisher zu Unrecht einseitig als Bedrohung gebrandmarkt wurde, so sollte auch der Blick nicht verstellt werden auf die komplexen und vielfältigen Herausforderungen des Geburtenrückgangs. Die Alterung und gleichzeitige Schrumpfung unserer Bevölkerung verläuft so rasant, dass wir Gefahr laufen, uns nicht schnell genug anpassen zu können. Neben Finanzierungsproblemen der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung werden Einbußen beim Wirtschaftswachstum, ein Verlust an Innovationskraft und Produktivität, eine Verschärfung des Fachkräftemangels und ein Veröden ländlicher Räume befürchtet, um nur einige besorgniserregende Trends zu nennen. Wir brauchen eine Dreifachstrategie für demografische Zukunftsfähigkeit: 1. ein Mix aus Geld, Infrastruktur und Zeitoptionen zur Erhöhung der Geburtenrate, 2. liberale und überdachte Zuwanderungspolitik, 3. Anpassung an den demografischen Wandel. Die Flaute in den Kreißsälen ist kein Naturgesetz, und wir wissen inzwischen recht gut, welche Wege zu mehr Kindern beschritten werden können. Jetzt kommt es darauf an, diese Erkenntnisse nicht nur zu gewinnen, sondern auch in die Tat umzusetzen, denn Hochglanzbroschüren gibt es schon genug.

 

 

 
 


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